Deutschland

Nele Neuhaus. Die Lebenden und die Toten (2014)

neuhaus-nele-2014-die-lebenden-und-die-totenKriminalkommissarin Pia Kirchhoff will nach ihrer heimlichen Hochzeit eigentlich gerade in eine Art Flitterwochen nach Südamerika. Doch ein neuer Fall kommt ihr dazwischen: Jemand erschießt mit großer Präzision und akribischer Vorbereitung eine ältere Dame, die gerade ihren Hund spazieren führt. Kurze Zeit später muss eine zweite Frau auf ähnliche Weise sterben. Einen Zusammenhang scheint es zunächst nicht zu geben.

Natürlich bleibt Pia bei der Arbeit und lässt ihren frisch Angetrauten alleine nach Ecuador fliegen. Da auch er dort arbeiten muss, kommen beide mit dem Arrangement zurecht. Auch wenn sie das erste Weihnachten als Ehepaar vielleicht gerne zusammen verbracht hätten.

Doch die Arbeit ist Pia wichtig und dieser Fall scheint ein großer zu werden: Schnell sind die Zeitungen voll vom “Taunus-Sniper”, dem Heckenschützen, der scheinbar wahllos seine Opfer abknallt. Die Straßen sind leer, die Menschen bleiben aus Angst zu Hause – Weihnachten und Silvester, die stille Zeit.

Motiv: Rache

Für das Team um Pias Chef Oliver von Bodenstein wird es keine ruhige Zeit, der “Sniper” hält sie in Atem. Er selber versorgt die Presse und die Polizei mit Hinweisen. Als das Team als gemeinsamen Nenner der Taten die verstorbene Kirsten Stadler ausmacht, die nach ihrem Tod als Organspenderin fungierte, entrollt sich der Fall langsam, zeigen sich Zusammenhänge. Der Sniper mordet nicht wahllos, er verfolgt einen genauen Plan, er will Rache.

Spannung mit ein paar Längen

Wie viel der Handlung des 550 Seiten langen Krimis kann man erzählen, ohne die Spannung zu nehmen? Das Thema ist Organspende bzw. krumme Machenschaften in diesem Zusammenhang. Pia, ihr Chef, das ganze Team, zu dem in diesem Fall auch noch ein nerviger Profiler und Pias Schwester Kim, eine Psychologin, dazu stoßen, steht unter enormem Druck, tappt aber eigentlich im Dunkeln, bis der Täter selber Hinweise gibt. Gelegentlich wirkt die Ermittlungsarbeit tatsächlich wie ein Stochern im Dreck mit der Hoffnung, dass sich irgendetwas ergeben wird. Vermutlich sieht reale Polizeiarbeit gelegentlich so aus, dem Krimi tun diese Längen nicht gut. Zwischendurch ist man als Leser ein wenig genervt, von dem scheinbar planlosen Hin- und Hergefahre der Kommissare durch den Taunus.

Anspruchsvoll konstruierter Fall

Ebenfalls nichts für mich – aber das ist natürlich Geschmacksache – die Beschreibungen der Taten bis hin zum Blut, das reichlich spritzt. In kurzen Kapiteln darf der Leser quasi dem Täter über die Schulter schauen, natürlich ohne dass wirklich Rückschlüsse auf seine Identität möglich wären. Die Auflösung des Falls ist logisch nachvollziehbar, ein anspruchsvolles Konstrukt, wenn auch recht schockierend.

Eine Portion Kitsch zum Abschluss

Alles in allem ein Krimi mit einem anspruchsvollen Thema, wenn auch für meinen Geschmack ein wenig zu blutrünstig. Trotz der Längen in der Ermittlungsarbeit ziemlich spannend. Der Epilog allerdings macht einen Ausflug in den Kitsch, der wirklich nicht nötig gewesen wäre.

Nele Neuhaus wurde 1967 in Münster geboren, zog aber schon als Kind in den Taunus, wo sie immer noch lebt. Sie begann früh zu schreiben, der Erfolg kam mit Schneewittchen muss sterben 2010.

Nele Neuhaus. Die Lebenden und die Toten. Berlin: Ullstein, 2014. (Bodenstein / Kirchhoff, Band 7)

Weitere Informationen

Verlagsseite zum Krimi bei Ullstein
der Krimi auf LovelyBooks
Nele Neuhaus und ihre Bücher auf Facebook
Lesung mit Nele Neuhaus auf erlesen.tv

Weitere Artikel und Rezensionen

auf dieterwunderlich.de
auf krimi-couch.de
Vera Sentis auf Buchwurm.info (11.10.2014)
Petzi auf Die Liebe zu den Büchern (21.10.2014)

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