Frankreich/Normandie

Catherine Simon. Kein Tag für Jakobsmuscheln (2015)

Marie betreibt in Trouville eine kleine Pension, nachdem sie Paris den Rücken gekehrt hat, als ihre Kinder ausgezogen waren. Sie liebt das Meer, ihren Hund und Jakobsmuscheln. Auf einem ihrer regelmäßigen Strandspaziergänge findet sie die Leiche eines Mannes. Das ruft Kommissar Jacques Leblanc auf den Plan, ebenfalls  Exil-Pariser und ehemaliger Geliebter von Marie.

Wenn diese Einleitung ein wenig viel über Maries Leben erzählt und zu wenig über den Kriminalfall, dann passt das genau zum Stil des Romans. Die Pariser Enklave Deauville-Trouville steht im Mittelpunkt des Interesses, da lässt die Autorin besagte Marie auch schon mal lang und breit über das Schicksal eines Hotels berichten, das mit dem Fall nicht das geringste zu tun hat. Der Bericht ist zwar in einen Dialog verpackt, doch der bleibt Alibi für die hölzerne Übermittlung von lokaler Geschichte.

Der Krimi beginnt bereits in diesem Stil und führt erst einmal recht langatmig die Figur der Marie ein – die zwar die Leiche findet, ansonsten aber völlig unwichtig ist und nur dem Bedürfnis der Autorin nach einer weiblichen Identifikationsfigur entsprungen scheint. Immer mal wieder wird aus der Perspektive von Marie erzählt, sie lernt zwar am Fall beteiligte Personen kennen, ist aber in die Ermittlungen nicht involviert.

Der Fall

Die von Marie gefundene Leiche entpuppt sich als Manu, Alkoholiker, Gelegenheitsarbeiter und fanatischer Feuerwehrmann. Die Autopsie ergibt, dass Manu auf einem Boot gestorben sein muss, es kommt auch nur ein Boot infrage, trotzdem ziehen sich die Ermittlungen in die Länge. Immerhin bekommt Kommissar Leblanc heraus, dass Manu der Feuerteufel war, der die historische Fischhalle abgefackelt hatte. Die Beweise präsentieren sich so offensichtlich, dass man sich allerdings fragt, ob Leblanc der einzige Sehende unter Blinden ist.

Das Auffinden einer zweiten Leiche schlägt höhere Wellen, denn es handelt sich um den Adeligen und “Fisch-Industriellen” Monfort-Risle. Der Bürgermeister fürchtet um die Einnahmen durch die Touristen und treibt Leblanc an. Beliebt war Monfort-Risle nicht gerade, weder bei den Fischern, noch bei Umweltschützern oder Gourmets. Die Spuren führen allerdings in eine andere Richtung …

Verspieltes Potential

Die Auflösung des Falles möchte ich zwar nicht verraten, aber sie ist sehr unbefriedigend und (aus gutem Grund) untypisch für einen Krimi. Für Krimiliebhaber ein echtes Ärgernis.

Kommissar Leblanc lebt mit einem Trauma, leider wird das viel zu früh und ungeschickt aufgeklärt. Dafür wird berichtet, was er zu jeder Mahlzeit isst, aber es bleibt bei einer drögen Aufzählung der Gerichte. Als dritte Eigenart wird Leblanc zu Anfang als Frauenheld dargestellt, doch nachdem er Marie wiedergetroffen hat, kann er das auf einmal nicht mehr, obwohl die beiden kaum drei Worte gewechselt haben. Als Leser merkt man, dass da eine Serie mit den beiden angelegt wird, glaubwürdig ist es aber nicht geschildert. Wie überhaupt die Figuren eher eindimensional bleiben, flach – aber wenigstens ansatzweise sympathisch.

Regionalkrimi-Boom

Auch bei diesem Regionalkrimi steht eigentlich der Schauplatz des Geschehens im Mittelpunkt, doch leider wird er hier nicht richtig lebendig. Lokalkolorit wird eher doziert als durch die Figuren und die Handlung erlebbar gemacht – was sehr schade ist, die Gegend ist wirklich wunderschön!

So wird Kein Tag für Jakobsmuscheln trotz eigentlich guter Ansätze eher zu einem Ärgernis in der Flut der Regionalkrimis, obwohl er äußerlich ganz im Trend liegt: ein Cover in hellem Blau mit malerischem Postkartenmotiv, ein französisch klingendes Pseudonym für die Autorin – wenigstens scheint es sich dabei um eine echte Autorin zu handeln und nicht um ein Autoren-Kollektiv, das stromlinienförmige Regionalkrimis aufgrund von Marktuntersuchungen produziert.

So gesehen: vielleicht gebe ich der Autorin, ihrer Begeisterung für die Region und den guten Ansätzen doch noch mal eine Chance…

Catherine Simon. 2015. Kein Tag für Jakobsmuscheln. Der erste Fall für Kommissar Leblanc. München: Goldmann | Random House.

Weitere Informationen

Catherine Simon ist ein Pseudonym für Sabine Grimkowski
Verlagsseite zum Krimi bei Goldmann
Kein Tag für Jakobsmuscheln bei LovelyBooks.de

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2 Kommentare zu “Catherine Simon. Kein Tag für Jakobsmuscheln (2015)

  1. Pingback: Catherine Simon. Wintergäste in Trouville (2015) | Krimi-Magazin

  2. Pingback: Catherine Simon. Bitterer Calvados (2017) | Krimi-Magazin

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