Italien

Daniela Gesing. Venezianische Verwicklungen (2014)

Luca Brassoni, Sohn eines italienischen Malers und einer deutsch-italienischen Mutter, bekommt es als Commissario in Venedig mit Kunstfälschern zu tun, die ihre Mitwisser auf brutale Weise ermorden. Erstes Opfer ist ein deutscher Experte, der die Echtheit eines Picassos bestätigen sollte. Als die Witwe in Venedig ankommt, erscheint sie seltsam unbeteiligt. Doch gehört sie zu den Tätern oder den Opfern? Nebenbei bereiten Brassoni noch zwei weitere Frauen schlaflose Nächte.

Im Prolog bereits darf der Leser miterleben, wie ein Mann im Handkarren durch Venedig transportiert wird – dass er das nicht überleben wird, ist klar, auch wenn es nicht gesagt wird. Dann im ersten Kapitel ein Schwenk in das Bett des Commissario Luca Brassoni und seiner derzeitigen (verheirateten) Geliebten…

Professor und junge Doktorandin

Commissario Brassoni und sein Kollege Maurizio Goldini sollen den Mord an dem deutschen Professor Konstantin Becker aufklären, dessen Leiche mit massiven Misshandlungen aufgefunden wird. Seine junge Assistentin Evelyn Sander begleitete den Kunstexperten nach Venedig, wo er die Echtheit eines Picassos überprüfen sollte. Kurze Zeit später wird auch auf sie ein Anschlag verübt. Schwer verletzt und bewacht liegt sie im Krankenhaus, doch das hält den Mörder nicht ab, einen zweiten Versuch zu starten.

Ein Bösewicht: Cesare Pantalone

Schnell wird klar, dass der brutale Gegner ein alter Bekannter Brassonis ist, der Kriminelle Cesare Pantalone. Dass der Mord an einem Friseur, der bei Brassoni geplaudert hat, auf Pantalones Konto geht, ist keine Frage. Doch als Kopf eines großangelegten Kunstfälscherrings kommt er nicht infrage. Da müssen noch weitere Personen mit drinhängen. Der Museumsdirektor? Ein Antiquitätenhändler? Ein Tipp von Brassonis Cousin Stefan, ein Journalist, führt die Polizisten zum Kunst-Versteck, aber noch nicht zu den Hintermännern.

Die Witwe

Als die Witwe des Professors nach Venedig kommt, erscheint sie Maurizio Goldini sehr gefasst. Auf eine Zusammenarbeit mit der Polizei legt sie allerdings keinen Wert. Doch sie weiß von der geheimen Wohnung ihres Mannes, was ihr beinahe zum Verhängnis wird.

Und immer lockt das Weib…

Neben seinen nervenaufreibenden Ermittlungen kämpft Brassoni mit seiner Zuneigung zu zwei Frauen: seine verheiratete Geliebte Maria würde er eigentlich gerne loswerden, weiß aber nicht recht wie. Und mit der Pathologin Carla würde er gerne etwas anfangen, das dauerhafter sein könnte, als seine übrigen Beziehungen seit seiner Scheidung. Doch reizvoll findet er Maria trotzdem noch…

Deutscher Lokalkrimi aus Venedig

Jeder Venedig-Krimi setzt sich dem Vergleich mit Commissario Brunetti aus – ein Vorbild, dem wohl kaum jemand gerecht werden kann. Die Autorin hat mutig versucht, in einen viel zu großen Schuh zu schlüpfen.

Autorin Daniela Gesing lebt in Bochum, Venezianische Verwicklungen ist ihr erster Krimi, der in Venedig angesiedelt ist. Viele Details zu Bauwerken versuchen einen authentischen Eindruck von Venedig zu vermitteln, doch so richtig lebendig wird die Stadt nicht. Eher vermitteln die Fakten oder exakten Wegbeschreibungen den Eindruck, dass da Reiseführer und Stadtplan zitiert werden.

Sachlich distanziert

Die Handlung um die Kunstfälscher ist nicht schlecht konstruiert, aber eigentlich ähnlich plump wie die gesamte Erzählweise. An keiner Stelle kam für mich wirklich Spannung oder Atmosphäre auf, die Personen blieben blutleer und distanziert, in Gefahrensituationen genauso wie in der Liebesnacht. Schon die Namen sind zum größten Teil unglücklich gewählt: Becker? Evelyn Sander?? Stefan und Stefano. Pantalone… Es gibt Namen, mit denen man als Leser unwillkürlich einen Charakter oder ein Aussehen verbindet, wenigstens gehört der Name des Protagonisten dazu. Die meisten übrigen Namen offenbaren nichts über den Charakter.

Format oder Qualität?

Zu Ende gelesen habe ich den Krimi, zu den schlechtesten gehört er nicht, aber besonders gefallen hat er mir auch nicht. Allerdings kann ich nicht ausschließen, dass es daran lag, dass er als eBook erschienen ist. Bisher habe ich noch kein eBook mit echter Begeisterung gelesen … und ich habe noch nicht herausgefunden, ob es am Format an sich liegt oder ob ich für den Reader nur eBooks ausgesucht habe, die einfach nicht zu den literarischen Highlights zählen. Der Frage muss ich unbedingt noch weiter nachgehen…

Daniela Gesing. Venezianische Verwicklungen. Luca Brassonis erster Fall. Berlin: Ullstein Midnight, 2014.

Weitere Informationen

die Verlagsseite zum Krimi bei Ullstein
der Krimi bei LovelyBooks
Homepage der Autorin

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