Deutschland/Norddeutschland

Kirstin Warschau. Fördewasser (2008)

In Berlin ist das Pflaster zu heiß geworden für Hauptkommissarin Olga Island. Abzutauchen in eine Art Zeugenschutzprogramm kommt für sie nicht infrage. Da beisst sie lieber in den sauren Apfel, sich in die „Provinz“ versetzen zu lassen, und kehrt zurück nach Kiel. Hier ist sie aufgewachsen, doch gute Erinnerungen hat sie an diese Zeit kaum. Für die hat sie auch gar keine Zeit, denn gleich an ihrem ersten Tag wird ein Toter an einer Staumauer gefunden. Und es bleibt nicht der einzige Tote in diesem verzwickten Fall.

Eigentlich hat Olga Island ihr gesamtes Berufsleben in Berlin verbracht und liebt ihr Leben dort: die Arbeit bei der Polizei, ihre kleine Wohnung und die Beziehung zu dem Künstler Lorenz. Doch in ihrem letzten Fall ist sie einem großen Boss ein bisschen zu nah gekommen, weshalb dieser sie liquidieren lassen wollte. Dass dies ausgerechnet Olgas junger Kollege Mischa erledigen sollte, war keine gute Wahl. Olga erschießt ihn in Notwehr. Doch auch wenn Mischa drogenabhängig und deshalb anfällig war für krumme Aufträge, hat Olga einen Kollegen erschossen und sie befürchtet, dass vor allem diese Tatsache ihr in ihre neue Dienststelle vorausgeeilt ist.

Neuanfang in Kiel

Damit der nächste Mordanschlag auf die Kommissarin nicht erfolgreicher ist, wird sie von dem Fall abgezogen und soll untertauchen. Doch sich zu verstecken entspricht nicht Olgas Mentalität. Und eigentlich will sie auch ihr geliebtes Berlin gar nicht verlassen. Doch eine Briefbombe belehrt sie eines Besseren und so akzeptiert sie eine Versetzung in das verregnete Kiel. Dort ist sie aufgewachsen, doch davon sind nur einige Erinnerungen geblieben, keine Wurzeln oder alte Freunde. Jedenfalls erinnert sie sich schnell wieder daran, warum sie nach dem Abitur aus Kiel weg wollte…

Neuer Chef

Nervös und irgendwie widerwillig erscheint Olga an ihrem ersten Tag in der neuen Dienststelle. Sie bereitet sich auf Ablehnung vor, auch weil sie von außerhalb kommend den Posten als stellvertretende Leiterin des Kommissariats 1 erhalten soll, auf den sicher viele Kollegen spekuliert hatten. Das Willkommen ist kurz, Olga findet sich in einem leeren Büro wieder und soll sich anhand von Akten mit der Lage vertraut machen. Da ist sie froh, dass schon bald die Meldung über einen Toten an einer Staumauer hereinkommt. Mit ihrem neuen Chef, Thoralf Bruns, macht sie sich auf den Weg zum Tatort. Allerdings scheint auch der Regen in Kiel nasser zu sein als in Berlin, wo scheinbar weder Schirm noch Regenjacke nötig waren – ihre nasse Kleidung beschäftigt Olga zunächst mehr als der Tote.

Neue Kollegen

Der Tote entpuppt sich als Mitarbeiter einer kleinen Werft, der einen blühenden Handel mit Schiffsschrott betrieb. Doch auch seine hohen Schulden könnten zu einem Motiv führen. Das Team tappt lange völlig im Dunkeln. Eine zweite Wasserleiche wird in der Kieler Förde angespült, übel zugerichtet, und Olga und ihre neuen Kollegen suchen nach dem Zusammenhang. Oder gibt es doch keinen? Zusammen mit den neuen Kollegen Jan Dutzen oder Henna Franzen kann Olga auch eigene Ideen verfolgen, Personen befragen, Spuren nachgehen, wobei sie in Kiel und der näheren Umgebung ganz gut rumkommt.

Alter Freund

Als unerwartet Olgas Freund Lorenz auftaucht, der in Italien unterwegs war und noch nichts von den Ereignissen rund um die Versetzung wusste, kann Olga endlich für kurze Momente abschalten. Und sie findet einen Helfer, der für sie in Hamburg eine Spur verfolgt, von der ihr Chef eigentlich gar nichts hält – aber natürlich ist es gerade diese Idee, die endlich zum verzweifelt gesuchten Motiv und damit zum Täter führt.

Spannender Serienauftakt

Kiel macht sich sehr gut als Schauplatz in diesem Krimi, Auftakt einer Reihe mit mittlerweile vier Bänden. Das Wasser spielt natürlich eine wichtige Rolle, aber auch kleine Ortschaften und Gutshöfe. Und wie bei jedem Regionalkrimi sind vor allem die Leser begeistert, die die Gegend kennen oder kennenlernen wollen. Doch Fördewasser bietet dazu auch noch einen wirklich spannenden Fall, gut geschrieben und erzählt, mit nur kleinen Minuspunkten. Dazu gehört zum Beispiel die „unheimliche Bedrohung“, hinter der Olga Island den Berliner Boss vermutet, und die sich etwas banal aufklärt und den Zufall überstrapaziert. Für meinen Geschmack bleibt auch die Figur der Olga Island ein wenig blass, zu sehr aufs Funktionieren getrimmt, zu sehr an der Oberfläche. Doch ein paar Andeutungen in ihre Vergangenheit lassen für die nächsten Bände hoffen. Und ihr Freund … der ist von Anfang an so vage und unwahrscheinlich, dass man als Leserin eigentlich vermutet hatte, er würde bereits in diesem Band einfach von der Bildfläche verschwinden. Doch das kann ja noch werden.

Über die Autorin

Kirstin Warschau wurde 1965 in Kiel geboren und arbeitete zunächst als Archivarin, bevor sie sich entschloss, noch Pädagogik und Psychologie zu studieren. Wie die Protagonistin ihrer Krimis lebte auch sie einige Jahre in Berlin. Kirstin Warschau hat zahlreiche Kurzgeschichten, Krimis und Zeichnungen veröffentlicht.

Kirstin Warschau. Fördewasser. Ein Kiel-Krimi. München: Piper, 2008. (Olga Island, Bd. 1)

Weitere Informationen

Fördewasser auf der Seite des Piper Verlages
zur Homepage der Autorin Kirstin Warschau
Fördewasser
bei LovelyBooks                                           
Fördewasser auf Krimi-Couch.de

Tags: Berlin, Henna Franzen, Jan Dutzen, Kiel, Lorenz Pahl, Olga Island, Schiffe, Thoralf Bruns, Wasser

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Ein Kommentar zu “Kirstin Warschau. Fördewasser (2008)

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