Italien/Toskana

Felicitas Mayall. Schwarze Katzen (2014)

Kommissarin Laura Gottberg kommt gerade erst aus Siena zurück, wo sie zwei Wochen mit ihrer Liebe Angelo Guerrini verbringen durfte, und findet sich in ihrem Münchner Alltag noch nicht ganz zurecht. Doch eine Leiche, die einbetoniert in einer Kiste auf der Prinzregentenstraße herum liegt, zwingt sie, sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren. Doch Hinweise gibt es kaum, die Ermittlungen gleichen eher einem Stochern im Dunkeln.

Zwei parallele Erzählstränge führen den Leser durch diesen Krimi, der dadurch gleich mehrfach ungewohnte Einblicke gewährt: zum einen in die ehrenwerte Familie der Mafia, zum anderen in das sehr private Sehnen der Kommissarin Laura Gottberg. Und so beginnt der Krimi zwar genregerecht mit einer Leiche – doch der Mörder ist dem Leser von vorneherein bekannt. Allerdings wird die Leiche geraubt, was auch die Mafiosi vor ein Rätsel stellt und nicht wenig nervös macht.

SOKO Beton

Die Polizei und damit Laura Gottberg bekommen die Leiche auf einem Silber-Tablett serviert. In einen Betonblock gegossen und in eine Kiste verpackt, wird sie mitten auf der belebten Prinzregentenstraße abgestellt. Leichen in Beton riechen fast schon zu sehr nach Mafia, Polizei und Medien sind in Aufruhr. Konkrete Hinweise gibt es aber nicht und die schnell gebildete “SOKO Beton” hat eigentlich nicht viel zu tun.

Ein Mörder unter Druck

Für Sergio Cavallino, Padrone im Münchner Edel-Restaurant Montenero, der im ersten Kapitel des Krimis unfreiwillig zum Mörder wird, verlaufen die nächsten Tage weniger entspannt. Ihm droht nicht nur Gefahr von den Unbekannten, die ihm einen Mörder auf den Hals gehetzt haben und dann dessen Leiche entwendet, sondern auch von seiner eigenen ehrenwerten Familie. Wem kann er noch trauen?

Was war vorher passiert?

Kommissarin Laura Gottberg dagegen schafft es anfangs kaum, Interesse für die neuen Ermittlungen aufzubringen. Nach ihrem scheinbar recht dramatisch verlaufenen letzten Fall hatte sie eine Auszeit in Siena genossen – auf diese Weise schafft es Autorin Felicitas Mayall sogar rückwärts Spannung aufzubauen: auch den vorherigen Band muss man unbedingt noch lesen, falls es man es vorher noch nicht getan hatte!

Detektiv-Figur ganz menschlich

Die Ermittlerin wird allerdings ihrer klassischen Rolle hier nicht gerecht. Sie sehnt sich nach ihrem Angelo und Italien, ihre Kinder scheinen ihr schon fast zu viel und die anfänglichen Ermittlungen spult sie mit viel Routine ab. Und gerade das machen die Krimis um Laura Gottberg so besonders: die Ermittlerin ist nicht das Versatzstück, das zur Aufklärung der Fälle gebraucht wird, sondern vor allem ein Mensch mit entsprechenden Erlebnissen und auch mal – jedenfalls kurzzeitig – einem großen Überdruss an ihrer Arbeit.

Familienroman – mit Krimi-Einschlag?

So nehmen im aktuellen Leben von Laura mal wieder die Kinder Luca und Sofia, deren neuer Freund und Hausgast Patrick, Lauras Vater und ihr Exmann einen großen Platz ein. Laura übt sich im Loslassen und genießt dann doch wieder jede Minute mit den Kindern… während beruflich zwar ihr Ehrgeiz langsam wieder erwacht, es aber immer noch keine wirklichen Anhaltspunkte gibt.

Während es dank Lauras Geschichte also Einblicke in das Leben berufstätiger Mütter von beinahe erwachsenen Kindern gibt, müssen Leser auf Krimi-Spannung dank des Erzählstrangs um Sergio Cavallino nicht verzichten. Noch dazu sind die Blicke hinter die Kulissen der ehrenwerten Familie besonders authentisch und direkt. Und ganz untätig bleibt natürlich auch Laura Gottberg nicht!

Wie im richtigen Leben…

Schwarze Katzen ist dank der flüssigen Schreibweise auf jeden Fall wieder mal ein gut lesbarer Roman mit vielen sympathischen alten Bekannten. Während der Leser mit Laura eher eine sehr private und ruhige Seite ihres Lebens miterlebt, ist für Spannung dank der ehrenwerten Familie trotzdem gesorgt. Dass der Mörder am Ende gefasst wird ist allerdings nicht systematischen Ermittlungen zu verdanken… so gesehen ist Schwarze Katzen kein typischer Krimi, sondern ganz aus dem Leben gegriffen.

Felicitas Mayall. Schwarze Katzen. Laura Gottberg ermittelt. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2014. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 9)

In dieser Serie bisher erschienen

Mayall, Felicitas. 2003. Nacht der Stachelschweine. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 1)
Mayall, Felicitas. 2005. Wie Krähen im Nebel. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 2)
Mayall, Felicitas. 2006. Die Löwin aus Cinque Terre. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 3)
Mayall, Felicitas. 2007. Wolfstod. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 4)
Mayall, Felicitas. 2008. Hundszeiten. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 5)
Mayall, Felicitas. 2009. Die Stunde der Zikaden. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 6)
Mayall, Felicitas. 2011. Nachtgefieder. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 7)
Mayall, Felicitas. 2012. Zeit der Skorpione. Laura Gottberg ermittelt. (Laura Gottberg / Angelo Guerrini, Bd. 8)

Weitere Informationen

Schwarze Katzen bei Rowohlt (inkl. Leseprobe!)
der Krimi bei LovelyBooks 
Wikipedia über Autorin Felicitas Mayall (eig. Barabra Veit)

Weitere Artikel und Rezensionen

Schwarze Katzen auf der Krimi-Couch
Silke Schröder auf hallo-buch.de (29.8.2014)
Thomas Swiderek auf literaturkritik.de (17.12.2014)

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