Frankreich/Normandie

Catherine Simon. Wintergäste in Trouville (2015)

Es ist kurz vor Weihnachten und in der Normandie schneit es. Eine außergewöhnliche Wetterkapriole, die freudig begrüßt wird – außer von Kommissar Jacques Leblanc. Doch immerhin kann der Schnee als fadenscheinige Ausrede dienen, dass er nicht nach Versailles fahren muss, um sich um seine Mutter zu kümmern. Eine noch bessere Entschuldigung liefert ihm natürlich die Tote, die seine Ex-Freundin Marie Bertaux im Keller des berühmten Hôtel des Roches Noires findet…

Wie schon im ersten Band ist es wieder einmal Marie, die die Leiche findet, die die Ermittlungen des Krimis in Gang setzen. Marie Bertaux stammt wie Leblanc aus Paris, mit ihr hatte Leblanc zum einzigen Mal so etwas wie eine halbwegs stabile Beziehung, aktuell scheint die beiden die Erinnerung daran noch zu verbinden. An den Ermittlungen ist Marie nicht beteiligt, sie gehört eher zur Rahmenhandlung, der allerdings zeitweise viel Raum gegeben wird.

Drei Kapitel zur Vorbereitung

Erst im vierten Kapitel findet Marie die Leiche, vorher darf Leblanc sich ausgiebig über den Schnee ärgern und sich um seine Mutter sorgen – bzw. sich darum sorgen, dass es wegen ihr Ärger geben wird. Der Leser bekommt die Gelegenheit, Leblanc erst ein wenig kennenzulernen und auch eine erste Begegnung mit Marie zu beobachten. Das Setting wird vorbereitet, bevor es ernst wird und die Ermittlungsarbeit beginnt – was dem Leser auch sehr klar ist.

Der Fall

Die Tote, die Maries Hund Arsène im Keller des Hôtels aufspürt, ist die Enthüllungsjournalistin Bernadette Latour, die eine Wohnung in dem Haus besaß. Marie kannte sie, wenn auch nicht besonders gut. Latour war liiert mit Jean Adler, der viele Jahrzehnte älter ist als sie, doch jeder spricht nur positiv über die besondere Beziehung der beiden. Nur die beiden Söhne Adlers, Gustave, Architekt, und Maurice, Arzt, hatten jedenfalls eine Heirat unbedingt verhindern wollen, die ihr Erbe geschmälert hätte. Ansonsten scheinen sie sehr besorgt um ihren Vater und sind stets zur Stelle.

Die Ermittlungen

Im Laufe der Ermittlungen stellt sich allerdings heraus, dass Bernadette Latour, etliche Jahre jünger als die Adler-Söhne, auch für diese durchaus sehr attraktiv war. Sollte das Mordmotiv hier zu finden sein? Allerdings hat der Mörder Latours Laptop verschwinden lassen, was auf ein anderes Motiv hindeuten könnte. War sie einer neuen Enthüllungsstory auf der Spur? Nach dem Tod einer Freundin hatte sich Latour anscheinend mit illegalen Schlankheitsmitteln befasst.

Der Krimi

Leblanc findet natürlich den Mörder, die Unterstützung durch seine Mitarbeiter ist kaum der Rede wert. Etliche Befragungen und nachträglich berichtete Beobachtungen führen ihn letzendlich auf die richtige Spur. Das ist durchaus spannend erzählt, im kleinen Kreis der Verdächtigen kann man als Leser miträtseln – obwohl die Auflösung letztendlich ein wenig bequem scheint.

Das Thema hinter dem Fall ist nicht bequem und wird von einem der Verdächtigen gut zusammengefasst, als er vom heutigen Schönheitsideal spricht, das „Altern nicht im Repertoire“ habe. Perfekt muss man sein, wozu natürlich auch schlank gehört, für viele Berufe ist das zwingend. Bernadettes Freundin war nur ein Beispiel für viele andere, ein Fall, der extrem ausging. Ein Problem unserer Gesellschaft, das sich auch so äußern kann wie in diesem Krimi.

Die Serie

Alles in allem ein unterhaltsamer Krimi mit einem guten Thema, einem interessanten Fall, sympathischen Figuren, den man mal eben so runterlesen kann. Im Gegensatz zum ersten Band, Kein Tag für Jakobsmuscheln, haben die Charaktere hier schon ein wenig mehr Profil und die Autorin doziert weniger über Trouville-Deauville. Ein wenig distanziert wirkt der Stil auf mich allerdings immer noch, aber das ist vielleicht auch Geschmackssache. Und immer noch irritiert mich Marie, die immer wieder durch die Geschichte läuft, ohne wirklich in sie eingebunden zu sein. Doch auf jeden Fall erscheint mir dieser zweite Band ein deutlicher Fortschritt zum ersten zu sein – aber für einen Ausflug in eine so schöne Region Frankreichs würde ich vermutlich etliche Abstriche machen…

Catherine Simon. Wintergäste in Trouville. Der zweite Fall für Kommissar Leblanc. München: Goldmann, 2015. (Kommissar Leblanc, Bd. 2)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

In dieser Serie bisher erschienen

Catherine Simon. 2015. Kein Tag für Jakobsmuscheln. Der erste Fall für Kommissar Leblanc.

Weitere Informationen

Verlagsseite zum Krimi bei Randomhouse (Taschenbuch, eBook, Hörbuch)
der Krimi bei LovelyBooks

Weitere Artikel und Rezensionen

der Krimi auf Kriminetz.de
auf Seesternsbücher (6.3.2017)

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Ein Kommentar zu “Catherine Simon. Wintergäste in Trouville (2015)

  1. Pingback: Catherine Simon. Bitterer Calvados (2017) | Krimi-Magazin

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