Bretagne/Frankreich

Jean-Luc Bannalec. Bretonisches Leuchten (2017)

Kommissar Georges Dupin macht Schreckliches durch: Er hat Urlaub! Assistentin Nolwenn und Freundin Claire haben ihm Erholung verordnet, zwei Wochen Strandurlaub in Trégastel. Für den ruhelosen Dupin ist das die Hölle und so kann er die Hinweise auf Verbrechen im Ort nicht ignorieren. Zuerst ist es nur ein Gedankenspiel, aber bei Mord hört das Spiel für Dupin auf.

Kommissar Georges Dupin und seine Freundin Claire machen Ferien an der Côte de Granit Rose, zwei Wochen lang soll nach Claires Wünschen der Tag überwiegend am Strand verbracht werden. Eine Hitzeperiode macht es möglich. Dupin fügt sich Claires Wünschen so gut er kann, allerdings treibt ihn seine Unruhe immer wieder ins Wasser, zu Spaziergängen oder auch zu Botengängen zurück ins Hotel. Dabei erfährt er vom Besitzer ihres kleinen Hotels – ein Freund von Nolwenn -, dass aus der örtlichen Kapelle eine Statue gestohlen wurde, dass in ein leerstehendes Haus eingebrochen wurde, dass die Abgeordnete Viviane Rabier durch einen Stein, der durch ihr Fenster geworfen wurde, verletzt im Krankenhaus liegt.

Zum Ermitteln gezwungen

Dupin versucht erst folgsam, seine Neugier zu zügeln und nicht zu ermitteln, doch die Bewohner von Trégastel lassen das nicht zu. Sie ignorieren seine Proteste und erzählen ihm Details, berichten ihm, was der zuständige Kommissar aus Lannion bereits unternommen hat, welche Gerüchte über die Abgeordnete Rabier kursieren… Längst kreisen Dupins Gedanken kaum noch um andere Fragen – um welche denn auch in dieser Strandidylle, in der außer wunderbarer Landschaft und gutem Essen ja sonst nicht viel passiert.

Eine Vermisste und eine Leiche

Bis während eines Abendessens Madame Durand vom Nachbartisch aufsteht und vor dem Streit mit ihrem Mann aus dem Lokal flüchtet. Und danach verschwunden bleibt. Als in einem nahegelegenen Steinbruch eine Leiche gefunden wird, vermutet jeder, dass es sich um die verschwundene Ehefrau handeln muss. Natürlich erzählt einer der Dorfbewohner Dupin, dass vor einigen Jahren schon mal eine Frau an dieser Stelle zu Tode kam. Und der Besitzer des Steinbruchs habe auch Konflikte mit der Abgeordneten. Wie könnte die verschwundene Statue da hineinpassen???

Heimliche Ferien-Ermittlungen

Da Dupin ja nicht ermittelt, und schon gar nicht offiziell, kauft er sich statt seines roten Clairfontaines ein blaues für seine Notizen und bemüht sich, seine Ferienbeschäftigung vor Claire zu verbergen. Was ihm überraschend leicht gelingt, auch dank der Unterstützung durch die Dorfbewohner, die lieber Dupin vertrauen als dem Kommissar im fernen Lannion. Hotelbesitzer Bellet, Madame Riou im Tabac-Presse, Friseur Julien, die Dorf-Gendarmen Alan und Inès – die Dorfbewohner scheinen Dupin als einen der ihren aufgenommen zu haben und versorgen ihn großzügig mit Informationen. (Nebenbei: diese Figuren sind ganz gut charakterisiert, nur Claire ist immer noch blass und farblos.)

Urlaub in der Bretagne

Schon die bisherigen Fälle von Kommissar Dupin lasen sich wie ein Kurz-Urlaub in der Bretagne. Dieser sechste Fall verschiebt den Fokus zwischen Urlaub und Kriminalfall tatsächlich noch einmal deutlich in Richtung Urlaub: Die Beschreibungen von Wetter und Landschaft, von Ferienbeschäftigungen und -gefühlen, von Ausflügen und Gesteinsformationen aus dem berühmten rosa Granit nehmen einen sehr großen Raum ein. Die Krimihandlung scheint sich dem unterzuordnen, beginnt mit diffusen Verdächtigungen, wie sie durchaus der Urlaubs-Langeweile geschuldet sein können. Halbwegs spannend wird es erst, als auch Dupin beginnt, die Ermittlungen ernst zu nehmen. Insgesamt ist der Kriminalfall in diesem sechsten Band der Serie eher schwach, dafür finden Bretagne-Fans hier besonders viel Stoff zum Wiedererkennen, zum Träumen und als Nahrung der Vorfreude auf den eigenen nächsten Urlaub. Dafür lohnt sich die Lektüre dieses Romans auf jeden Fall.

Jean-Luc Bannalec. Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2017.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

In dieser Serie bisher erschienen

2012. Bretonische Verhältnisse. Ein Fall für Kommissar Dupin. Köln: Kiepenheuer & Witsch.
2013. Bretonische Brandung. Kommissar Dupins zweiter Fall. Köln: Kiepenheuer & Witsch.
2014. Bretonisches Gold. Kommissar Dupins dritter Fall. Köln: Kiepenheuer & Witsch.
2015. Bretonischer Stolz. Kommissar Dupins vierter Fall. Köln: Kiepenheuer & Witsch.
2016. Bretonische Flut. Kommissar Dupins fünfter Fall. Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Weitere Informationen

Verlagsseite zum Buch bei Kiepenheuer & Witsch

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