Portugal

Luis Sellano. Portugiesische Tränen (2018)

Der Krimi beginnt kurz vor dem Finale: Protagonist Henrik Falkner verfolgt eine Frau durch Lissabon und gerät in einen Hinterhalt. Bis dahin hat er schon einiges durchgemacht … die Neugier des Lesers ist geweckt und die Chronologie kann beginnen. Eine Woche zuvor hat Falkner nämlich in seinem geerbten Antiquariat einen Hinweis gefunden, dem der Ex-Polizist natürlich nachgehen musste.

Wäre dieser dramatische Einstieg nicht, würde vielleicht so mancher Leser dieses dritten Bandes der Serie am Anfang abspringen, denn hier werden viele, viele Erklärungen geliefert. Zum Verständnis ist es natürlich wichtig, dass das Antiquariat in Lissabon geerbt ist und dass Martin Falkner, der Onkel Henriks, dort Hinweise auf Verbrechen versteckt hat und damit auch auf den Mord an seinem Lebensgefährten und womöglich sogar auf seine eigene Ermordung … Doch wer bereits die ersten beiden Bände kennt, ist hier ein wenig genervt – oder vielleicht doch froh über die Auffrischung des Gedächtnisses?

Eine Fischlieferung

Der Fall des dritten Bandes beginnt mit einem Lieferschein mit japanischen Schriftzeichen und der Unterschrift Martin Falkners, der beim Aufräumen aus einem Buch fällt. Das Logo eines Fischhandels ist erkennbar und natürlich macht Henrik Falkner sich auf die Suche … Dabei wird es sofort geheimnisvoll und spannend, denn Falkner nimmt eine unverschlossene Hintertür in die unheimlichen Hallen, ein koreanischer Mitarbeiter benimmt sich höchst verdächtig und der Chef der Firma ist verschwunden.

Actionreiche Schnitzeljagd durch Lissabon

Von hier aus jagt Falkner wieder wie bei einer Schnitzeljagd kreuz und quer durch Lissabon, von einer Spur zur nächsten. Dabei geht es zuweilen recht heftig zu, Falkner entkommt nur knapp, es wird auf ihn geschossen, er wird verprügelt, er trägt diverse Verletzungen davon und es gibt auch ein paar Tote – jede Menge Action also. Im Zentrum des Falles stehen ein verschwundener Koi und eine verschwundene Diplomaten-Tochter, Sammelleidenschaft und japanische Kultur samt Yakuza.

Mit Flair und Charakter

Manchmal bremsen langatmige Überlegungen das Tempo ein wenig, auch vor gelegentlichen kitschigen Bemerkungen schreckt der Autor nicht zurück. Neben der spannenden Schnitzeljagd hat der Krimi zwei große Pluspunkte: Lissabon wird durch die Beschreibungen ganz nebenbei sehr lebendig, Straßen und Plätze, Luft und Gerüche, Gebäude und die Mentalität der Menschen. Die Figurenzeichnung ist das zweite Plus, denn mit wenigen Worten skizziert der Autor Menschen mit eigenem Charakter, mit besonderen Eigenheiten und Verhaltensweisen, die man sich sofort lebhaft vorstellen kann.

Die Fälle warten im Chaos

Eine spannende und unterhaltsame Lektüre also, die auf viele Fortsetzungen angelegt ist, denn im Chaos des Antiquariats lassen sich noch viele Hinweise finden. Den nächsten hat Falkner am Ende schon in der Hand: In einem ausgehöhlten Buch hatte sein Onkel eine (historische?) Fliese versteckt. Und ob der Tod Martin Falkners ein Mord war, ist auch noch längst nicht geklärt. Und wie geht es mit Polizistin Helena weiter? Und taucht Catia endlich wieder auf?

Luis Sellano ist ein Pseudonym des Autors Oliver Kern.

Luis Sellano. Portugiesische Tränen. Ein Lissabon-Krimi. München: Heyne, 2018. (Henrik Falkner, Bd. 3)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

In dieser Serie bisher erschienen

Sellano, Luis. 2016. Portugiesisches Erbe. Ein Lissabon-Krimi. München: Heyne, 2016. (Henrik Falkner, Bd. 1)
Sellano, Luis. 2017. Portugiesische Rache. Ein Lissabon-Krimi. München: Heyne, 2017. (Henrik Falkner, Bd. 2)
Sellano, Luis. 2018. Portugiesische Tränen. Ein Lissabon-Krimi. München: Heyne, 2018. (Henrik Falkner, Bd. 3)

Weitere Informationen

Verlagsseite zum Krimi bei Random House
Homepage des Autors Oliver Kern

Weitere Artikel und Rezensionen

der Krimi bei Lovelybooks
der Krimi auf Krimi-couch.de
Buchvorstellung auf hr1 (11.4.2018)

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2 Kommentare zu “Luis Sellano. Portugiesische Tränen (2018)

  1. Pingback: Luis Sellano. Portugiesische Rache (2017) | Krimi-Magazin

  2. Pingback: Luis Sellano. Portugiesisches Erbe (2016) | Krimi-Magazin

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