Schweden

Gabriella Ullberg Westin. Der Schmetterling (dt. 2018)

Henna Pedersen und ihre Kinder warten auf den Weihnachtsmann – doch der bringt in diesem Jahr keine Geschenke, sondern erschießt die junge Mutter. Wenig später findet Hennas Mann, der bekannte Fußballer Måns Sandin, ihre Leiche im Badezimmer des gerade erst bezogenen Hauses. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Henna außerdem eine Überdosis eines Schlafmittels intus hatte …

Kommissar Johan Rokka, Ende 30, ist gerade erst aus Stockholm in seinen Heimatort Hudiksvall zurückgekehrt. Das spurlose Verschwinden seiner großen Liebe Fanny kurz nach ihrem Abitur verfolgt ihn immer noch, er will der Sache endlich nachgehen. Doch zunächst muss er wegen des Mordes an Heiligabend seinen Dienst früher als geplant antreten. Mit dem Polizisten Pelle Almén, der als Erster vor Ort war, verbindet ihn eine alte Freundschaft – aber auch viele der Beteiligten bzw. Verdächtigen gehörten früher derselben Fußballmannschaft an wie Rokka. Während er also versucht, die Ermittlungen voranzubringen, frischt er abends alte Freundschaften auf, trinkt dabei gerne auch mal einen über den Durst. Außerdem plagen ihn Rückenschmerzen, Einsamkeit und ein altes Schuldgefühl. Dass er gelegentlich schneller redet als denkt, macht ihn mal sympathisch, mal merkwürdig.

Opfer

Durch eingeschobene Auszüge aus einer Art Tagebuch Hennas erfährt der Leser früh, dass diese ein Trauma mit sich herumschleppte. In der Kommune, in der sie und ihr Bruder mit der Mutter lebten, scheint sie als kleines Mädchen einen Kindesmissbrauch beobachtet zu haben. Ein Erlebnis, das sie verfolgte und nicht zur Ruhe kommen ließ. Doch mit dem Fußballer Sandin schien sie ein glückliches Familienleben aufgebaut zu haben, erst in Florenz, gerade allerdings ist die Familie nach Schweden gezogen.

Auch Trabrennen spielen eine, wenn auch weniger wichtige Rolle in diesem Krimi. Wetten und Manipulationen – aber ob das in irgendeiner Form mit dem Mord und / oder dem Fußballer Sandin zusammenhängt, bleibt lange offen.

Puzzle

Noch mehr als andere Krimis las sich dieser wie ein Puzzle: sehr viele Szenen mit sehr vielen Personen, auf den ersten Blick ohne Zusammenhang. Sehr viele alte Freunde von Rokka aus der ehemaligen Fußballmannschaft, die vielleicht, oder vielleicht auch nicht, mit dem Fall zu tun haben. Alte und neue Freundinnen ebenso. Zusätzlich verhält sich kaum eine der Figuren so, wie man es erwarten würde, überall Probleme, alte, neue, oberflächliche oder traumatische. Das macht auch vor Rokkas neuen Kollegen nicht halt, von denen der eine oder andere in diesen Fall auch persönlich verwickelt ist.

Sperrig

Am Ende löst sich der Fall auf, das Puzzle scheint zusammengesetzt, auch wenn vielleicht das eine oder andere kleine Teil übrig bleibt. Nahtlos fügt sich das alles nicht, der Eindruck von vielen Einzelteilen bleibt auch nach der Lektüre erhalten. Alles wirkt ein wenig abgehackt, gelegentlich zusammenhanglos und ohne rechten Sinn für die Story als Ganzes. Auch die Charaktere bleiben eckig und karg. Was die Geschichte für mich vor allem zusammenhielt, war das Setting im nordschwedischen Schneegestöber, dort kann man sich solche sperrigen Charaktere irgendwie vorstellen. Alles in allem ein interessanter Serienauftakt.

Gabriella Ullberg Westin. Der Schmetterling. Hamburg: HarperCollins Germany, 2018. | Original: Ensamfjäril. HarperCollins, Nordic, 2015. Übersetzung aus dem Schwedischen Stefanie Werner.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

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