Deutschland/Norddeutschland

Kirstin Warschau. Nebelgrab (2018)

Im Urlaub mit einer Freundin stolpert Ex-Kommissarin Olga Island beinahe über zwei Leichen – jedenfalls hört sie im Nebel die tödlichen Schüsse und den Schrei einer Frau. Nur zu gerne nimmt Olga inoffiziell Ermittlungen auf, besonders als zwei weitere Paare vermisst werden, was ihre ehemaligen Kollegen im Morddezernat nicht ernst zu nehmen scheinen.

Seit dem letzten Band der Serie sind ein paar Jahre vergangen, Olga Island ist nicht länger Kommissarin, sondern arbeitet wegen ihrer kleinen Tochter Smilla im Innendienst. Und langweilt sich bei Akten und Statistiken … Da ist sie froh, dass eine Woche Urlaub ansteht, den sie mit ihrer Berliner Freundin Lotte in den Hüttener Bergen verbringen will.

Wandern im Nebel

Dort sieht auch zuerst alles nach einer schönen gemeinsamen Zeit aus, viel Erzählen, viel Lachen, wie das bei guten alten Freunden so ist. Allerdings sind wir hier ja in einem Krimi, deshalb verlaufen sich die beiden Freundinnen bei einer Wanderung im Nebel und hören Schüsse und die Schreie einer Frau, offensichtlich in Todesangst. Als Ex-Kommissarin muss Olga nachsehen, allerdings vergeblich. Auch die Polizei vor Ort reagiert nicht auf ihren Anruf.

Ein Verdächtiger

Bereits vorher darf der Leser Knut Lehmann kennenlernen, der überzeugt ist, dass seine Frau Lissy das Wochenende mit ihrem Lover verbringen will. Knut packt sein Gewehr ein und will seiner Frau hinterher fahren. Doch so einfach kann die Auflösung des Falles natürlich nicht sein …

Olga ermittelt

Zwei Waldarbeiter finden die Leichen von Lissy und ihrem Verhältnis, nackt und zusammen eingenäht in ein riesiges Stück Filz. Lotte ist geschockt und reist ab, Olga hat der alte Ermittler-Ehrgeiz gepackt. Zwar sind jetzt ihre Ex-Kollegen der Kieler Mordkommission zuständig, doch die scheinen den Fall nicht ernst genug zu nehmen. Und da Olga sowieso gerade mitten drin wohnt und Urlaub hat, kann sie auch den Spuren nachgehen, die sie für wichtig hält. Wie z.B. den Hinweisen auf eine ehemalige Kommune, die ein Gelände mitten im Wald bewohnte und um die sich vielfältige Gerüchte ranken.

Spannung

Der Krimi liest sich ganz flüssig weg, bleibt aber doch arg in Klischees und Oberflächlichem stecken. Die Dorfbewohner sind hier alle idealistische Kunsthandwerker, besondere menschliche Merkmale, gar Charakter – Fehlanzeige. Auch Protagonistin Olga ermittelt, scheint aber kaum zu denken oder zu fühlen und bleibt deshalb recht vage. Der Fall ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen, die falsche Fährte ist dermaßen offensichtlich falsch, die detaillierten Ortsangaben bringen nichts außer Verwirrung, jedenfalls für den ortsunkundigen Leser. Wenn man allerdings hier nicht zu pingelig ist, ist der Krimi auf jeden Fall recht spannend.

Kirstin Warschau. Nebelgrab. Ein Kiel-Krimi. München: Piper, 2018. (Olga Island, Bd. 5)

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!

In dieser Serie bisher erschienen

Warschau, Kirstin. 2008. Fördewasser. Ein Kiel-Krimi. München: Piper. (Olga Island, Bd. 1)
Warschau, Kirstin. 2010. Was im Moor geschah. Ein Fall für Olga Island. München: Piper. (Olga Island, Bd. 2)
Warschau, Kirstin. 2012. Kanalfeuer. Ein Fall für Olga Island. München: Piper. (Olga Island, Bd. 3)
Warschau, Kirstin. 2015. Ostseewut. Ein Kiel-Krimi. München: Piper. (Olga Island, Bd. 4)
Warschau, Kirstin. 2018. Nebelgrab. Ein Kiel-Krimi. München: Piper. (Olga Island, Bd. 5)

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